Das Musikfest Stuttgart 2009: 16% mehr Besucher als im Vorjahr kamen zu den Konzerten; rechnet man die externen Konzerte des Festivalensembles hinzu, besuchten rund 34.000 Menschen die Angebote des Musikfests 2009. In den dreiundsechzig Veranstaltungen des Musikfests 2009 konnten die Besucher der religiösen Bedeutung des Lichts, aber auch seiner aufklärerischen Metaphorik, seiner impressionistisch-inspirierenden Kraft und seiner technischen Relevanz für die Kunst nachspüren. Wo Raum, Licht und Musik eine stimmige Einheit bildeten, war das Ergebnis besonders befriedigend.
Eine neue "Schöpfung" sollte zum ersten Male erklingen, und es war letztlich eine neue "Schöpfung", die das diesjährige Musikfest Stuttgart am Sonntagabend, 20. September 2009, in der Liederhalle mit einem strahlenden Abschluss krönte. Das Programm dieses finalen Musikfest-Abends im Beethoven-Saal mit seiner ebenso beherzten wie stimmigen Kombination zweier ganz unterschiedlich leuchtender Werke: Benjamin Brittens zauberhafter Zyklus "Les Illuminations" für Streicher und Sopran (wunderbar: Juliane Banse!) und Mendelssohns Sinfonie-Kantate "Lobgesang", dieses Programm gewann neben seinen vielfarbigen Reflexionen auf das Musikfest-Thema LICHT auch und insbesondere durch Glut und Leidenschaft der Darbietung die Herzen derer, die vor und auf der Bühne dabei waren. Das Solistenensemble der Spitzenklasse, die Gächinger Kantorei Stuttgart und das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Leitung von Helmuth Rilling schufen an diesem Abend musikalische Glanzpunkte. Und so spiegelte sich der Schimmer von hundert roten Rosen für alle Mitwirkenden - schöne Tradition beim Musikfest - denn auch in den entfernten Reihen eines begeisterten Musikfest-Publikums. Vielen Dank an alle Besucherinnen und Besucher unserer Konzerte, ein großes Dankeschön an die großartigen Künstlerinnen und Künstler und an alle, die mitgeholfen haben!

Felix Mendelssohn Bartholdy, nach einem Gemälde von Hildebrandt (Foto Sächsische Akademie der Wissenschaften)
Das mittlere Musikfest-Wochenende vom 11. bis 13. September wurde geprägt vom Programmschwerpunkt „Psalmen“ als einem der wohl ungewöhnlichsten und zugleich bedeutsamsten Beiträge zum Mendelssohn-Jahr 2009: Neben acht der schönsten Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy, dargeboten von der „Crème de la Crème“ hervorragender Vokalensembles, warn Neuvertonungen dieser Psalmen (2, 22, 42, 43, 95, 98, 114 und 115) in der ganz unterschiedlichen Sichtweise von Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit zu hören. Die „alten“ Psalmen, neu gesungen nach spannenden Ideen von Martin Smolka, Brice Pauset, Jaakko Mäntyjärvi, Joseph Phibbs und Victoria Borisova-Ollas im Rahmen von fünf Uraufführungen in drei Konzerten des mittleren Wochenendes, ergänzt durch Live-Gespräche mit den Komponisten: Ein wahres Musikfest-Highlight...!
Festakt ist nicht gleich Festakt: Mit großer emotionaler Beteiligung des Publikums und der Ehrengäste im Mozart-Saal wurde am Samstag, 12. September 2009, in Stuttgart der erste Helmuth-Rilling-Preis verliehen. Für beste musikalische Umrahmung sorgte Stefan Parkman mit seinem Akademischen Kammerchor Uppsala, in dessen Reihen die Preisträgerin am Ende der Veranstaltung ein schwedisches Volkslied mitsang. Ausgezeichnet wurde die venezolanische Chordirigentin und Pädagogin Maria Guinand, die das Modell der weltweit durchgeführten Bachakademien ihres Mentors Rilling mit großem Erfolg zu einem Bildungs- undKulturkonzept erweitert hat, das mittlerweile in mehrere südamerikanische Länder ausstrahlt. Dabei gilt ihre besondere Zuwendung Kindern und Jugendlichen in den Armenvierteln der Großstädte, die sie für ihre musikalischen Projekte zu begeistern weiß, wie ein kurzer Film mit Ausschnitten ihrer Arbeit eindrucksvoll belegte. Der Helmuth-Rilling-Preis, dessen Jury neben dem Namensgeber und dem Intendanten Christian Lorenz die Dirigenten Zubin Mehta, Dennis Russell Davies und Ton Koopman angehörten, wird alle zwei Jahre verliehen. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und wird für „herausragende Leistungen im chorsinfonischen Bereich“ vergeben. Finanziell ermöglicht wurde er in diesem Jahr durch die Berthold-Leibinger-Stiftung; Berthold Leibinger ist der Vorstandsvorsitzende und ein langjähriger Förderer und Mäzen der Bachakademie.
Begeisterung vor und auf der Bühne: Mit umjubelten Aufführungen der "Messiah"-Oratorien von Händel und Sandström ist das Musikfest Stuttgart im Beethoven-Saal der Liederhalle Stuttgart eröffnet worden. Die Stuttgarter Premiere der spektakulären neuen Messias-Komposition des schwedischen Komponisten Sven-David Sandström wurde im Rahmen des ARD-Radiofestivals live übertragen. Beide Messias-Vertonungen hat Helmuth Rilling mit seinem 2001 gegründeten Festivalensemble Stuttgart - jungen Sängern und Instrumentalisten aus der ganzen Welt - in den Wochen zuvor einstudiert und beim Abschlusskonzert des Rheingau Musikfestivals sowie in der Berliner Philharmonie bravourös vorgestellt. Das Musikfest Stuttgart startete mit dieser einzigartigen Liaison aus vertrauten und neuen Klängen als strahlender Auftakt zu zwei erfüllten musikalischen Wochen zum Thema LICHT.