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Musikfest Stuttgart

Musikfest Stuttgart

Die wohl zauberhafteste Erstaufführung aller Musikfeste!

Probe zu Weills »Zaubernacht« am 19. Juni 2010 (Foto hs)

Probe zu Weills »Zaubernacht« am 19. Juni 2010 (Foto hs)

Mit der Begeisterung ist das ja so eine Sache... Sofern sie sich nämlich auf Dinge konzentriert, die jeglichen Touch des Eigennutzes vermeiden, ist sie schlimmstenfalls harmlos, bestenfalls mitreißend. Was aber tun, wenn man gar nicht anders kann als sich für ein kleines – aber eben »hausgemachtes« – Wunder zu begeistern, das erstens gar nicht so klein ist und Ihnen zweitens keinesfalls vorenthalten bleiben sollte? Vielleicht: einfach Begeisterung ausdrücken, weitergeben, teilen – was hiermit und durch eine Video-Beigabe geschehen soll.

Bei der Zaubernacht-Probe (Foto hs)

Tanzartisten bei der Zaubernacht-Probe (Foto hs)

/// Es klingt wie eine Kriminalgeschichte: Durch Zufall entdeckten Mitarbeiter der Yale-Universität 2005 beim Entrümpeln eines Kellers einen Safe, der das originale Aufführungsmaterial der »Zaubernacht« von Kurt Weill enthielt. Das Material galt als verschollen, einzig ein unvollständiger Klavierauszug, der keine Hinweise auf die Instrumentalbesetzung enthält, war noch verfügbar. Das wurde allgemein bedauert, denn Die »Zaubernacht« ist Weills erste, nie im Druck veröffentlichte Theaterkomposition. In ihr wird temporeich erzählt, wie eine Fee zur Mitternacht zwei Kinder verzaubert und Spielsachen zum Leben erweckt. Seit dem Fund im Universitätskeller aber weiß man: Die Kinderpantomime hat völlig anders geklungen – weil völlig anders instrumentiert –, als man bislang vermutete. 2008 brachte die Kurt Weill Foundation eine Partitur der wiederentdeckten Originalfassung heraus. Nun bringt die Bachakademie das Werk in der Choreografie von Nina Kurzeja zusammen mit dem Arte Ensemble als Welterstaufführung auf die Bühne des Theaterhauses.

Nina Kurzeja bei der Probe (Foto hs)

Nina Kurzeja lässt sich verzaubern... (Foto hs)

Nina Kurzeja, die 2006 den Stuttgarter Theaterpreis für herausragende Leistungen im Bereich Tanz erhielt, betrachtet das Stück als Herausforderung. Normalerweise suche sie sich die Inhalte, Themen und die Musik ihrer Choreographien selber aus. Deshalb liege für sie der größte Reiz dieser Arbeit in der geschlossenen musikalischen Form. Die »Zaubernacht« mit ihrem zeitgebundenen Arsenal an verhexten Spielsachen hat ihre Tücken: Kinder, sagt Nina Kurzeja, seien anspruchvoll und könnten womöglich mit einem einem Stehaufmännchen – einem Spielzeug der 20er Jahre – nicht mehr viel anfangen. Hier werde man mit Kostümen, Bühnenbild und Videoprojektionen zwar historische Hinweise geben, aber die zeitbedingten Vorgaben Weills nicht voll ausformulieren: »Wir setzen auf die Fantasie der Kinder«. Die Zaubernacht sei ein Werk, das ein junges Publikum ansprechen soll – und gerade deshalb einer sensiblen Modernisierung bedürfe, um für dieses Publikum auch heute noch zu attraktiv zu sein. /// (Musikfest Magazin, Dr. Michael Gassmann)

Nina Kurzeja bei der Probe (Foto hs)

... und verzaubert ihr Ensemble (Foto hs)

Energiegeladen, quirlig, Mimik und Körper in steter Bewegung, die Tänzerinnen und Tänzer ihres erlesenen Ensembles fröhlich animierend und mit Überschwang anspornend, so erleben wir Nina Kurzeja bei einer der ersten Ensembleproben zur Kinderpantomime »Die Zaubernacht«. Und werden, obgleich weder Bühnenausstattung noch Kostüme die Märchenwelt projizieren, unmittelbar gepackt von Kurt Weills mitreißender Musik in ihrer herrlich frechen Instrumentation und vom turbulenten Geschehen jener Nacht, in der die Spielsachen zu skurrilem Schabernack erwachen. Die Choreographie von Nina Kurzeja, mit feinstem Sinn für musikalische Nuancen, geradezu berstend vor Ideen und liebevollem Humor, vor Verve sprühend, dabei voller Anmut und Ausdrucksstärke – Die Tänzerinnen und Tänzern ihres kleinen Ensembles können und wollen gar nicht verhehlen, dass ihnen dieses Spiel von Herz und Sinnen kommt, mit welch großem Vergnügen sie bei aller Konzentration und Anstrengung an dieser Einstudierung beteiligt sind: Man sieht es ihnen an; es wird viel gelacht an diesem Nachmittag. Kurzum: Die Begeisterung ließ nicht lange auf sich warten und hat eine klare Konsequenz: Sie, liebe Musikfest-Freunde, um jeden Preis (der in Euro zu zahlende ist alles andere als üppig) zum Besuch einer der drei Aufführungen der Pantomime am 2. September zu ermuntern: Das dürfen Sie einfach nicht verpassen! (– so kategorisch das klingt, so wenig anders lässt es sich formulieren). Und bitte bringen Sie die ganze große Familie und die Ihrer Freunde gleich mit. Denn eine Zaubernacht wird umso zauberhafter, je mehr große und kleine Menschen von ihr verzaubert werden. (hs)

Dieses Vier-Minuten-Video unseres »bachakademie-youtube-channels« entstand im Felsenkeller in Feuerbach im Rahmen der erwähnten Ensemble-Proben am 19. Juni. Es ist sicherlich kein filmisches Kunstwerk, vermittelt aber doch einen Hauch jenes Zaubers, der die Besucher am 2. September mit ganzer Intensität ergreifen dürfte... Vielen Dank an Nina Kurzeja für die Erlaubnis zu dieser Aufnahme.