Die Nacht ist eine andere Welt. Unbehelligt von den Ablenkungen des Tages kann man sich dem Wesentlichen widmen: Der Liebe zum Beispiel. Die Nacht ist aber auch das Nichts. Sie ist die Zeit, wo die Dinge unsichtbar werden. Dann kann einen die Angst packen, die Todesfurcht, der Wahnsinn. Oder die Hoffnung: In der Nacht feiert das Christentum seine höchsten Feste – die Heilige und die Osternacht; es feiert Gottesdienste am Beginn der Nacht und an ihrem Ende, weil das Dunkel Symbol der Gottesferne und zugleich Zeit intensiv erfahrener Gottesnähe ist. Weil die Nacht das Symbol des Todes ist, kann in ihr auch die Hoffnung auf Leben keimen.
Komponisten haben sich seit jeher zur Sphäre der Nacht hingezogen gefühlt, weil sie die poetische Hälfte des Tages ist und dessen utopischer Gegenentwurf; weil zur nächtlichen Stunde das ehedem klar Erkennbare unsichtbar wird und anderes deutlich hervortritt; weil der Mond scheint und die Sterne leuchten; weil im Widerschein der Gestirne am intensivsten gefühlt und gelebt wird. Das MUSIKFESTUTTGART 2010 bietet vielfältige Möglichkeiten, sich allem Nächtlichen zu nähern; drei Wochen, die wir drei Aspekten des Themas widmen werden. Wir haben sie genannt: Träume und Märchen, Schlafes Bruder, Liebe und Wahnsinn.
Dr. Michael Gassmann /// Chefdramaturg
In der Nacht träumt sich der Mensch hinein in andere Wirklichkeiten – zauberhafte und grauenhafte.
Natürlich ist es kein Zufall, dass sich das MUSIKFESTUTTGART im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns dem Thema »Nacht« widmet.
Insgesamt sieben Tage des MUSIKFESTUTTGART klingen mit einer Bachnacht an drei auratischen Orten aus.