Am Wochenende 18./19. September hat das MUSIKFESTUTTGART mit einem Gesprächs- und dem umjubelten Abschlusskonzert sein grandioses Finale erfahren. Ein Aufgebot von 14 Gesangssolisten, der Knabenchor collegium iuvenum Stuttgart, die Gächinger Kantorei Stuttgart und das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR musizierten unter Leitung von Helmuth Rilling Schumanns Szenen aus Goethes "Faust". Mit diesem selten aufgeführten großen experimentellen Oratorium Schumanns gastiert das Ensemble nun noch beim Beethovenfest in Bonn. »Stuttgart schwärmt durch die NACHT« – Diesem Slogan folgten beim diesjährigen MUSIKFESTUTTGART rund 27.000 »Nachtschwärmer« in über 70 Veranstaltungen über drei Wochen. Intendant Christian Lorenz freut sich über konstante Besucherzahlen und eine steigende Wahrnehmung des Festivals in der Stadt. »Durch die Kombination aus besonderen Konzertformaten, Konzertorten und Stars und einer klaren dramaturgischen Linie ist allenthalben ein Festivalgefühl entstanden, wie wir es uns gewünscht haben.« Das MUSIKFESTUTTGART 2011 mit dem Thema WASSER findet vom 27. August bis 18. September statt. Geplant sind wieder rund 70 Veranstaltungen von 7 Uhr früh bis Mitternacht. Das detaillierte Programm wird im Frühjahr 2011 veröffentlicht.

»Uri Caine gehört schon seit einiger Zeit zu diesen neuen, umfassend wirkenden Künstlern, die es nicht nötig haben, den Jazz wie Fallobst von Louis Armstrongs Baum aufzulesen. Er beherrscht alle möglichen musikalischen Sprachen akzentfrei, und er hat sich schon immer durch ein virtuoses Hakenschlagen um die Eckpfeiler des Mainstreams ausgezeichnet. [...] Jetzt hat ihn die rührige Bach-Akademie für ihr diesjähriges Musikfest Stuttgart mit einer Auftragskomposition betraut [...] Für seine "Lamentations" hat Uri Caine unter seiner Leitung am Klavier das Gamben-Consort "Il Suonar Parlante" von Vittorio Ghielmi mit dem Bassklarinettisten Achille Succi und drei aus verschiedenen musikalischen Himmelsrichtungen stammenden Vokalistinnen, der Flamenco-Sängerin Carmen Linares, der Gospel-Interpretin Barbara Walker und der im klassischen Gesang ausgebildeten Cristina Zavalloni, zusammengeführt.

Südwestpresse: »Keine bescheidene „Kleine Nachtmusik“ á la Mozarts KV 525 sollte es sein; bei einemMusikfest mit dem Leitmotiv „Nacht“ schon eine ganz Große. Da war die Qual der Wahl für die Besucher natürlich auch groß. Sie strömten an diesem lauen Sommerabend in Scharen zum Stuttgarter Schillerplatz und von dort in die vier nahe gelegenen Aufführungsorte Stifts- und Schlosskirche, Landesmuseum sowie Fruchtkasten. Für gerade mal 16 Euro hatten sie sich die Eintrittskarte zum musikalischen Lustwandeln erworben, was allerdings noch keine Garantie für den Besuch der persönlich anvisierten 40 Minuten-Konzerte bedeutete. Mit zusätzlichen Einlasskarten wurde der Besucherstrom ein wenig kanalisiert, denn während in der Stiftskirche für gut 800 Besucher Platz war, gab es im Fruchtkasten nur 100 Sitzmöglichkeiten.

In kaum verhohlener Sorge darüber, dass sich der Flügel während der Probe verstimmen könnte, zog es David Gazarov am frühen Donnerstagabend (9.9.) nach einigen Übungen vor, in Ruhe einen guten Espresso im BIX Jazzclub zu sich zu nehmen. Dafür wurde das Instrument zwar später in der "Chopin Lounge" mitnichten mehr geschont, doch hatte es wiederum das große Glück, einem der herausragendsten Jazzpianisten unserer Zeit seine Mechanik und Klangfülle verfügbar machen zu können.

Jim Jarmuschs großartiger Film "Night On Earth" von 1991 mit seiner abschließenden zutiefst melancholischen Taxi-Sentenz aus Helsinki stand am Mittwochabend (8. September) im Mittelpunkt der „Langen Nacht mit Film“. Die erste Hälfte bestritt das Stuttgarter Kammerorchester bravourös mit dem Cellisten Mats Rondin in einem frei assoziierten Programm aus nachtschwarzer Metropolenmusik – witzig und traurig zugleich, virtuos gipfelnd in der "Chamber Music III" des Finnen Aulis Sallinen.

Der Wetterdienst hatte einen regnerischen Dienstagabend prognostiziert, was die Musikfest-Macher zur mutigen Vorverlegung auf den Vorabend veranlasste. Als dann ca. 400 Besucher in der Dämmerung auf dem Killesberg zum »Tal der Rosen« strömten, war klar: Es würde ein schöner Abend werden, auch ohne gestirntes Firmament. Gesammelte Eindrücke in Pressestimmen, Fotos und einem kleinen Filmausschnitt unseres youtube-channels.

Am Donnerstag, 2. September, war das Musikfest-Wunderwerk gleich dreimal im Theaterhaus zu bestaunen: Wladimir Boritschs Kinderpantomime »Die Zaubernacht« in der Vertonung des jungen Kurt Weill, charmant-witzig-hintergründig inszeniert von Nina Kurzeja, zog Jung und Alt gleichermaßen in ihren Zauber-Bann. Ein paar Impressionen dieser Erstaufführung haben wir für Sie mit der Musikfest-Kamera im Bild festgehalten, Nachlesenswertes bieten einige Auszüge aus den Feuilletons.
Den Auftakt zum Musikfest gab das RSO Stuttgart unter Leitung des jungen Chefs des New Zealand Symphony Orchestra, Pietari Inkinen, mit einem fünf(!)stündigen Eröffnungskonzert. Im Gottesdienst in der Stiftskirche konnte der Junge Chor der Bachakademie sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellen, bevor am Sonntagabend Gächinger Kantorei & Bach-Collegium und ein hervorragendes Solistenquintett unter Leitung von Helmuth Rilling mit Monteverdis Marienvesper brillierten.

Mit der Begeisterung ist das ja so eine Sache... Sofern sie sich nämlich auf Dinge konzentriert, die jeglichen Touch des Eigennutzes vermeiden, ist sie schlimmstenfalls harmlos, bestenfalls mitreißend. Was aber tun, wenn man gar nicht anders kann als sich für ein kleines – aber eben »hausgemachtes« – Wunder zu begeistern, das erstens gar nicht so klein ist und Ihnen zweitens keinesfalls vorenthalten bleiben sollte? Vielleicht: einfach Begeisterung ausdrücken, weitergeben, teilen – was hiermit und durch eine Video-Beigabe geschehen soll.