
»Die mit Schiffen auf dem Meer fuhren ... die des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder im Meer, wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhub ... und sie zum Herrn schrieen in ihrer Not ... und er sie zu Lande brachte nach ihrem Wunsch: die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder.« Mit dem 107. Psalm sind wir mittendrin im Musikfest-Thema. Liest man ihn zusammen mit dem 42. Psalm »Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet Gott, meine Seele zu dir!«, dann ergibt sich das Bild des nährenden und rettenden Gottes.

Das Urelement Wasser befruchtete schon immer die Kunst. Der Blick auf das Fließende, seine erhabene Gewalt und seine Bedeutung als Ort der Transgression in einen anderen Zustand des Seins war für Künstler aller Zeiten eine Herausforderung. In der Kunst des Mittelalters zeigt sich das Wasser in immer neuen Bedeutungen, sei es bei der Erschaffung der Welt, dem Durchzug durch das Schilfmeer, dem Bad der Bathseba oder der Handwaschung des Pilatus. In der ersten von insgesamt vier Führungen durch die Staatsgalerie werden u.a. gezeigt: Red Sea Crossing von Richard Deacon, Die Graue Passion von Hans Holbein d. Ä., Bathseba im Bade von Hans Memling und Der heilige Christophorus von Giovanni Paolo di Grazia.

In Mendelssohns dramatischem Oratorium wird das Wasser zum Mittel des Gottesbeweises. Der Fluch des Elias, wider die Anbeter des Baal und deren König Ahab geschleudert, führt zu einer schrecklichen Dürre. Aber Elias vollbringt auch das Regenwunder, das Rettung bringt als Zeichen des milden Gottes Israels, der sich nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer zeigt, sondern in einem stillen, sanften Säuseln.