
»Schäme dich, o Seele, nicht, deinen Heiland zu bekennen« – Bachs Kantate 147, erläutert im vierten und letzten Gesprächskonzert Helmuth Rillings, berührt ein heute durchaus umstrittenes Thema: das Thema der Verkündigung und damit der Mission. Bachs Textdichter hatte damit noch keine Probleme; er formuliert im klaren Imperativ: »Herz und Mund und Tat und Leben muß von Christo Zeugnis geben ohne Furcht und Heuchelei, daß er Gott und Heiland sei.«

Auch in diesem Jahr ist das Musikfest live auf SWR2 dabei. Bachakademie-Intendant Christian Lorenz, Chefdramaturg Michael Gassmann und prominente Gäste beantworten alle Fragen rund um das Musikfest Stuttgart 2012.

Stuttgart ist ungewöhnlich reich an besonders klangschönen historischen und modernen Glocken. Glocken prägen den Klang einer Stadtlandschaft und bilden deren Klangsilhouette – Grund genug für das Musikfest Stuttgart, sich ihrer anzunehmen. Der Glockensachverständige Jens Harnisch wird ausgewählte Geläute vorstellen. Mit diesen Glockenkonzerten lässt sich Stuttgart wunderbar musikalisch erobern.

Tanz und Gesang verwenden dasselbe Instrument – den Körper. Mit ihrem Tanz(lab)Oratorium erkundet die Stuttgarter Choreographin Katja Erdmann-Rajski im Körper die tanzende Stimme. Und sie zeigt beeindruckend auf, wie die Bachschen Stimmen in seinen Kantaten und Motetten nach szenisch-tänzerischem Ausdruck verlangen. Es ist eine Suche nach dem Cantus firmus unserer Zeit, der Stimme der Ordnung. Am Ende meint man nur noch dem Körper zuzuhören, der durchdrungen ist von Musik.

Joris Verdin ist Organist, Harmoniumvirtuose und Musikwissenschaftler. Für seine hochoriginellen Einspielungen der wenig beachteten Literatur für Harmonium erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. In diesem Konzert präsentiert er das Harmonium – die Orgel des kleinen Mannes und der armen Kirchen – wie es kaum einer kennt: als ungemein wandlungsfähiges, ausdrucksstarkes Instrument für den bürgerlichen Salon.

Pierre Charial hat einst in Lyon Klavier, Fagott und Komposition studiert. Doch dann nahm seine Karriere einen überraschenden Weg: Er begann, Musik für mechanische Instrumente zu »notieren«, das heißt, selbst die Lochstreifen für Drehorgeln herzustellen. Die Jahrmarktsorgel wurde unter seinen Händen zum Instrument für Folklore, Jazz und Avantgarde. Zusammen mit dem Klarinettisten Michael Riessler präsentiert Charial in Stuttgart ein Programm, das von Werken Riesslers über Strawinskys »Sacre« und Ligetis »musica ricercata« bis hin zu Stücken von Klaus Doldinger und Ennio Morricone reicht. Pierre Charial spielt ein 42-töniges Instrument mit 156 Pfeifen und drei Registern.