
Der Blick auf die sakrale Musik der drei monotheistischen Religionen offenbart verblüffende Gemeinsamkeiten und frappierende Unterschiede. Da sind zum einen der Primat des Vokalen, die Skepsis gegenüber dem Eindringen weltlich-unsittlicher Klänge und die »Heiligkeit« des gesungenen Schriftwortes, da ist aber auch das radikale Auseinanderdriften der sakralen Musikkulturen im Laufe der Geschichte. Lassen sich vom gregorianischen Choral noch Verbindungen ziehen zur Koranrezitation und zum Synagogalgesang, so sind Werke wie die Kantaten Bachs oder die Messen Mozarts im Islam, aber auch in den orthodoxen christlichen Kirchen vollkommen undenkbar.

Stuttgart ist ungewöhnlich reich an besonders klangschönen historischen und modernen Glocken. Glocken prägen den Klang einer Stadtlandschaft und bilden deren Klangsilhouette – Grund genug für das Musikfest Stuttgart, sich ihrer anzunehmen. Der Glockensachverständige Jens Harnisch wird ausgewählte Geläute vorstellen. Mit diesen Glockenkonzerten lässt sich Stuttgart wunderbar musikalisch erobern.

Das einzige Deutschland-Konzert des Cleveland Orchestra 2012 findet im Musikfest Stuttgart statt. Das Cleveland Orchestra, eines der »Big Five« der USA und eines der besten Orchester der Welt, spielt unter Leitung seines Chefs Franz Welser-Möst den vollständigen, aus sechs Tondichtungen bestehenden Zyklus »Mein Vaterland« von Bedřich Smetana. Kaum ein Orchesterwerk könnte zum Thema Glaube besser passen als »Mein Vaterland«, in dem die religiösen Wurzeln des tschechischen Patriotismus und damit der Glaube ans Vaterland eindringlich beschworen werden.