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Backakademie Stuttgart
Musikfest Stuttgart

Programm und Karten

Icon für Die zehn Gebote Thementag Verfolgter Glaube 45

Mo 10.09. | 20:30 | Theaterhaus | T2 | Das fünfte Gebot | Verfolgter Glaube II

Titus Engel (Foto: Agentur)

Titus Engel (Foto: Agentur)

»Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung« – so lautet der vollständige Titel dieser erschütternden, im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden Kammeroper. Der Kaiser herrscht als Tyrann und führt Krieg. Dem Tod befiehlt er, die feindlichen Soldaten niederzustrecken. Aber der lehnt das ab und streikt. Ein bewegenderer Kommentar zum fünften Gebot »Du sollst nicht töten« ist kaum denkbar.

Das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten
Thementag Verfolgter Glaube in Europa

VIKTOR ULLMANN (1898-1944)
Der Kaiser von Atlantis
konzertante Aufführung

Herman Wallén /// Kaiser Overall
Martin Busen /// Der Lautsprecher
Marko Spehar /// Der Tod
Michael Laurenz /// Harlekin
Maren Jacob /// Bubikopf
Daniela Sindram /// Der Trommler

Ensemble Courage

Titus Engel /// Leitung

Staffel E /// 44 36 28 22 16 € /// Abo Verfolgter Glaube

meisterschüler meister

Das Konzert gehört zu dem von der Sparkassen-Finanzgruppe initiierten Konzept »Meisterschüler-Meister«: Junge Nachwuchsmusiker, die erfolgreich am Wettbewerb »Jugend musiziert« teilgenommen haben, treffen in dieser Reihe auf bekannte Stars der Klassikszene.

Das Konzert wird gefördert von der Sparkassen Finanzgruppe, vertreten durch den Sparkassen-Kulturfond des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und den Sparkassenverband Baden-Württemberg.

/// Mit greller Fanfare kündet der Herold einen Aufruf des Kaisers Overall an, der den »großen, segensreichen« Krieg »aller gegen alle« ausruft und alle Menschen zu Soldaten erklärt, die andere Soldaten töten sollen. Dem wahnwitzigen Vorhaben, das die Vernichtung alles menschlichen Lebens zur Folge hätte, tritt der Tod entgegen: »Die Seelen nehmen kann nur ich!« Er zerbricht seinen Säbel und durchkreuzt mit seiner Verweigerung den kaiserlichen Tötungsbefehl, der nun sinnlos geworden ist. Im zweiten Bild erfährt der Kaiser über einen Lautsprecher vom Verlauf des tobenden Krieges. Als man ihm allerdings Meldung macht, dass die Hinrichtung eines zum Tode verurteilten Attentäters nicht zum gewünschten Ergebnis geführt habe, erkennt er, dass sich der Tod von ihm abgewendet hat. Mehr noch – er ist zu einem ernstzunehmenden Gegner geworden, da das wichtigste Herrschaftsinstrument des Kaisers, die Todesdrohung, nun nutzlos geworden ist. Wider besseren Wissens erklärt Overall die Tod-Verweigerung zu einer Krankheit und gibt sie schließlich sogar als sein eigenes Werk aus – als »Geheimmittel zum ewigen Leben«, das er „verdienten Soldaten« schenke: »Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?« Das Intermezzo des dritten Bildes zeigt den vom Kaiser befohlenen Vernichtungskrieg. Ein Mädchen und ein Soldat ergehen sich, angestachelt vom Trommler, in den erfolglosen Versuchen, einander umzubringen. Doch bald erkennen sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns und empfinden schließlich erst Mitleid und dann Liebe füreinander. Ohne das Machtmittel der Todesdrohung bricht das Imperium Overalls zusammen, der sich, dem Wahnsinn nahe, in absurde Allmachtsphantasien rettet. Doch schließlich erklärt sich Overall dazu bereit, »als erster den neuen Tod zu leiden«, woraufhin dieser das Ende des »großen, segensreichen Krieges aller gegen alle« verkündet und die Menschheit vom tyrannischen Regime des Kaisers befreit. Im abschließenden Choral heißen die Menschen den Tod willkommen, da er das Gleichgewicht zwischen Leben und Sterben wiederhergestellt hat: »Komm Tod, du unser werter Gast, in unsers Herzens Kammer. Nimm von uns Leben, Leid und Last, führ uns zur Rast nach Schmerz und Jammer.« /// Harald Hodeige im Programmheft