Musikfest-Engel (Foto: Holger Schneider)
Musikfest Stuttgart 2020

#heilignüchtern

12.–28. Juni 2020

Das neue Musikfest 2020 ist ein Fest in Stuttgart und für Stuttgart mit Konzerten im gesamten Stadtgebiet von der Liederhalle über die Staatsoper zum Wizemann, von St. Maria bis Bad Cannstatt. Es ist ein Fest der Musik, das vom barocken Kontrapunkt Bachscher Werke über die dramatischen Opern Pietro Mascagnis und Salvatore Sciarrinos bis hin zum ElectroRemix der beiden DJs Kruder & Dorfmeister reicht. Schließlich ist es auch ein Fest der Stuttgarter Kulturinstitutionen: Erstmals richtet die Internationale Bachakademie Stuttgart das Musikfest gemeinsam mit den anderen großen Musikinstitutionen der Stadt aus, darunter das SWR Symphonieorchester, die Staatsoper Stuttgart und die Stuttgarter Philharmoniker.

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Starke Kontraste prägen das Musikfest 2020: Der »Fernsehkommissar« Charly Hübner erzählt eine Geschichte über Schuld und Einsamkeit zum Klang der abgründigen Songs von Nick Cave auf der einen und begleitet von den sehnsuchtsvollen Liedern aus Franz Schuberts Winterreise auf der anderen Seite. Heinrich Ignaz Franz Bibers Fidicinium sacro-profanum, das seinem Titel gemäß weltliche und geistliche Musik vereint, trifft im Konzert des Freiburger BarockConsort auf den Starschauspieler Tobias Moretti, der diese barocke Musik mit romantischer Dichtung von Friedrich Hölderlin spannungsvoll zusammenbringt.

Geistliche Kantaten und Motetten von J. S. Bach und Mark Andres rwh 2 aus dem Jahr 2020 – zwei Komponisten aus zwei Jahrhunderten, deren Werke ihren Ausgangspunkt im Bibelwort und der Beschäftigung mit dem Heiligen Geist haben, führen Hans-Christoph Rademann und die Gaechinger Cantorey im Eröffnungskonzert zusammen.

»Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl;
aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er fährt.
Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.«

Joh 3,8

»Out of the box« heißt es dieses Jahr zum ersten Mal: Musik erleben Sie hier jenseits des Gewohnten mit einem Konzert im Liegen, bei dem Körper und Geist sich auf Klänge einlassen, und einem mitreißenden Wandelkonzert und Tanzerlebnis zu neu gedeuteten Cello-Suiten und Tänzen Bachs. In den Nachtkonzerten verbindet sich die besondere Atmosphäre des späteren Abends mit Bachs Kunst der Fuge im außergewöhnlichen Saxophonklang und den schillernd-besinnlichen Klangfarben von Rachmaninows »Chrysostomos-Liturgie«, gesungen vom Moskauer Intrada Chor.

Klassische und barocke Werke im Original, in Bearbeitung und in elektronischer Verfremdung, gesampelt und im Remix – Gegensätze pur, geboren aus dem Geist des Barock bestimmen die »Klangreise – Ein Tag der Musik« im Wizemann. Ein Tag voll faszinierender Chorklänge und bewegender Musik, der von »BachBewegt!Tanz!« mit der Choreographin Friederike Rademann und einem exklusiven Kurzprogramm zu Vivaldis Vier Jahreszeiten bis hin zu den legendären DJs Kruder & Dorfmeister am Abend reicht. Für Kinder und Familien gibt es Entdeckungen und Mitmach-Angebote. Und alle Gäste des Tages sind eingeladen, gemeinsam die 1. Stuttgart-Symphonie entstehen zu lassen !

Literatur, bildende Kunst und Musik, Sprache, Sicht und Klang verbindet die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach ausgerichtete »Dichterreise – Ein Tag der Literatur«: von Hölderlin zu Schiller, vom Glockenbau bis hin zu Max Bruchs Oratorium Die Glocke. Die hochkarätig besetzte Reihe »Sichten auf Bach« erwartet Sie mit Hans-Christoph Rademann und der Gaechinger Cantorey, mit Concerto Copenhagen, mit dem Thomanerchor Leipzig, mit Andreas Staier und vielen weiteren Größen der Barockmusik.

»Unternehmen Musik« vereint unterschiedlichste Ensembles: Die Bläsertruppe Salaputia Brass mit dem Trompeter Jeroen Berwaerts im Mercedes-Benz Museum, das Vokalsextett SLIXS bei Trumpf und der Intrada Chor Moskau bei Kärcher sowie das Swing Trio Die Couchies bei der Klett Gruppe. Schließlich würdigen u. a. das spanische Cuarteto Quiroga, das Trio Jean Paul und die Stuttgarter Philharmoniker Beethovens 250. Geburtsjahr mit Konzerten und Kammermusik des Komponisten. Die Tradition der Musikfest-Cafés wird mit ausgewählten Gesprächspartnern und Themen wie Musik, Literatur, Theologie und das Leben schlechthin fortgeführt. Führungen und Klangateliers verbinden Musik, Bildende Kunst und Dichtung zu erfrischenden Perspektiven auf die Gegensätze des Programms. Wie jedes Jahr geben musikalisch umrahmte Gottesdienste abseits des Musikfesttrubels die Möglichkeit zu innerer Einkehr.

Mit nur einem Wort lässt sich das diesjährige Musikfest charakterisieren: heilignüchtern. Den Gegensatz von Gefühl und Vernunft hat Friedrich Hölderlin, dessen Geburtstag sich 2020 zum 250. Mal jährt, mit dieser Wortschöpfung in seinem Gedicht Hälfte des Lebens beschrieben. Eben hierin liegt die Inspirationsquelle für die Programmatik des Musikfests.

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Hölderlin – Hälfte des Lebens